Reaper Version 4.

Man kann richtig viel Geld für eine "richtige" DAW-Software ausgeben - was auch immer "richtig" sein mag. Professionals werden da eine klare Antwort geben - muss man ja auch, wenn man schon soviel Kohle investiert hat... Nein, es ist schon richtig: für die professionelle Produktion ist neben der Software eben auch Stabilität, Support, die "Erwachsenheit" und "Langlebigkeit"einer Lösung äusserst wichtig, da hier die Produktion als solche im Vordergrund steht. Es geht aber auch eine Nummer kleiner, wobei: nicht unbedingt schlechter.

So wie die Hardware sich rasant entwickelt hat, so ist auch die Software besser geworden - und muss nicht immer den Gegenwert eines Kleinwagens haben. Reaper ist so ein Programm, welches nun in der Version 4 vorliegt - permanent weiterentwickelt und vollgestopft mit Möglichkeiten.

Reduziert aufs Nötigste

Ältere Beiträge zum Thema:

DAWs- Glaubensfrage?

Reaper

Themes I

Themes II

Ok, Reaper ist nicht vollgestopft mit virtuellen "funky" Instrumenten und Samplebibliotheken, sondern kann mit seinen 5 MB (plus Gedöns) sogar auf einem USB-Stick installiert werden. Heißt, reduziert auf das wirklich Nötige, zeigt Reaper mit seinen Kernfunktionen vergleichbares wie die DAWs mit großem Namen. Und kann diese in einigen Bereichen sogar übertrumpfen. Heißt: Pflicht sowieso, in der Kür sogar manchmal besser. 

 

Als typischer Homerecorder liegen meine Schwerpunkte sicher anders als bei jenen, die amtliche Produktionen fahren. Viele Funktionen, die in Foren heiß diskutiert werden (und die eine "Pro-DAW" beherschen sollte) erschließen sich mir gar nicht. Oder brauche ich nicht, da ich sie sowieso nicht verstehe/ verwende/ beherrsche.

Trotzallem werden eine Menge Plugins mitgeliefert, die zwar nicht wirklich schön sind (keine oder einfache GUI), aber klanglich ohne Einschränkungen verwendet werden können - und noch nicht mal auf die Verwendung innerhalb von Reaper eingeschränkt werden.

 

Das alles gibt es als "Testversion", die im Grunde nur nervt mit einem Splashscreen der um Bezahlung bittet, sonst aber keinerlei Einschränkungen in den Funktionen selber beinhaltet. Also keine amputierte "Lightversion", wie häufig sonst üblich. 

 

Das Ganze kostet $60  für "nicht-kommerziellen" Gebrauch oder eben $225, wenn's denn für den kommerziellen Gebrauch ist. Als Lizenzschlüssel kommt eine kleine Datei zum Einsatz - kein Dongle und überall verwendbar. Ich habe Reaper auf drei Rechnern: einfach den Schlüssel kopieren und einbinden.

Aktive Entwickler

Als Reapernutzer kann man sich im Forum umschauen und mitmachen - es wird kaum eine Frage offen bleiben, denn es wird gerne geholfen und es gibt eigentlich zu jedem Thema einen Thread. Das Beste: die Entwickler sind dabei, hören zu und beteiligen sich.

 

Für mich das Plus schlechthin - das Forum ist wirklich aussergewöhnlich.


Die jetzige Version 4 wurde schon als frühe Beta auf das Forum gestellt und konnte benutzt und getestet werden - in regem Austausch über das Für und Wider diverser Funktionen. Ich selber benutze die Version 4 schon seit einigen Monaten, eben als Beta.

War Reaper in früheren Versionen oft als "Shareware" oder Spaßprogramm belächelt worden, so sind die Entwicklungssprünge mittlerweile gigantisch - wer die Featureliste im Detail sehen möchte:  hier gibt es mehr.

Einfach schlicht aufnehmen oder mehr? Kein Thema

Als alter 4-Spur-Veteran habe ich mich langsam an die digitalen Workstations rangearbeitet und meinen alten Workflow mit Hilfe der neuen Möglichkeiten immer mehr erweitert. Aber genau dass macht Reaper so charmant: man kann, muss aber nicht im ersten Schritt tief einsteigen. Ich selber nutze wahrscheinlich nur 20% der Möglichkeiten - was aber auch ohne allzu große Lernkurve möglich ist. Der 4-Spur-Workflow: einstöpseln, Track erzeugen, Input auswählen und los. Ein Track kann einfach alles sein und jederzeit "umgewidmet" werden: ob Audio-, Midi-, Bussspur. Entsprechende Effekte einbinden, alles kein Aufwand.

 

Alle Versuche mit Cubase, Tracktion (3), Ableton und Studio One V1 waren mir zu aufwändig, Reaper bietet nach einem kleinem "Einarbeitungssprung" direkten Zugriff auf das Nötigste.

 

Leider kommt dann aber schnell der Punkt, dass man "vor dem Berg" steht: so ist die Beschäftigung mit den restlichen 80% (siehe oben) deutlich schwieriger - ich tue mich etwas schwer, einen Mix/ Song wirklich fertigzustellen, da hier keine wirklichen Presets oder Ideen in einem einfachen Workflow zur Verfügung gestellt werden. Das ist sicher für die Bastler unter uns toll, mich nervt das mehr und mehr - will ich doch Musik machen und nicht in Foren und Ratgebern allzu tief ins "engineering" einsteigen. Einen einfachen Mix/ Master herzustellen, der halbwegs gut klingt, erfordert doch eine wesentlich stärkere Auseinandersetzung mit Reaper. Vielleicht bin ich zu blöd dafür - oder zu faul - aber hier bietet Reaper zwar enorm viele "Schnittstellen", aber keine wirklichen Lösungen.

Kraftpaket

Reaper ist ein Kraftpaket, auch wenn es so nicht aussieht - und keinen großen Rechner braucht. Vieles versteckt sich in Menüs (oder unter dem rechten Mausklick), und selbst dies ist programmierbar (SWS Extensions) und lässt sich in Makros/ Shortcuts ablegen: damit kann der eigene Arbeitsweg entsprechend konfiguriert werden und sogar auf eigene Buttons gelegt werden. Und Buttons wiederrum in eigens zusammengestellte Toolbars abgelegt werden, etc....

 

Wie erwähnt, es gibt keine Synths oder Samples, was aber wohl für die meisten sowieso ein Plus ist - wer hat nicht die eigenen Sammlungen? Ich habe vieles von Native Instruments - oder spiele es direkt ein, da brauche ich nicht noch mehr. Warum Entwicklerzeit darauf verschwenden - da gibt es eben andere Spezialisten.

 

Musik aufzunehmen und zu arrangieren, dass war der Zweck des Programms und er wird voll erfüllt. Und hat sich im Laufe der Jahre immer weiter verfeinert - ich nutze Reaper seit Version 2 und fand die meisten Weiterentwicklungen sinnvoll und hilfreich. Es gibt soviele hilfreiche Details, die andere Schwächen mehr als wett machen.

 

Und wie gesagt, es ist klein und handlich, lässt sich im USB-Stick mitnehmen und läuft sogar auf meinem Netbook.

Permanente Weiterentwicklung - in einem Höllentempo

 

Den größten Einfluss hat hier sicher, dass die Entwickler zuhören und mit den Nutzern in Kontakt treten - wie gesagt, das Forum ist ein Dreh- und Angelpunkt. Heißt eben auch, dass permanent die Informationen in die Weiterentwicklung fließen, und diese quasi "sofort" als regelmäßige Updates zur Verfügung stehen, oder eben als Betas (während ich das hier schreibe ist das nächste Update - 4.02 - schon da und 4.1 steht als Beta bereit). So hält sich auch kein möglicher Bug wirklich lange.

 

Apropos Schwäche: mir fehlt ein integrierter Audioeditor, zumindestens ein einfacher für die schnellen Dinge. Schneiden und anpassen ist kein Ding, aber für mehr muss dann auf einen anderen Editor zurückgegriffen werden. Wobei dieser einfach eingebunden werden kann. Nur lassen sich dann eben keine Makros/ Shortcuts mehr verwenden - so muss dann doch manchmal mehr als nötig gecklickt werden. Ist aber eigentlich verschmerzbar.

 

Ebenso sind die beigelegten Effekte zwar oft von hoher Qualität, sehen aber schlicht Scheiße aus. An den Oberflächen wird nicht viel gemacht. Was sicher auch ein Vorteil sein kann - Konzentration aufs Nötigste halt. Wobei bei der Fülle mancher Parameter eine strukturierte Oberfläche oft hilfreich wäre. Und - durch Version 4 und dem erfolgeten "Facelift" - der Unterschied umso deutlicher wird.

Oberfläche - und das macht Walter

Ach ja, der Facelift... Reaper hat nun eine neue Oberfläche. Ob die nun schön oder hilfreich ist - dies liegt im Auge des Benutzers. Das wirklich coole ist aber: es lässt sich fast alles anpassen. War dies früher auf das "Design" beschränkt, denn es konnten "nur" Themes verwendet werden, die entsprechende Farbdefinitionen und Icons bereitstellten (oder es konnten eigene Themes definiert werden), so kann nun auch die Darstellung in Bezug auf die Platzierung der Elemente angepasst werden - ein Feature, dass Reaper bis aufs kleinste Detail verändern kann. 

 

Ob dies nun gut oder schlecht ist (man kann sich da richtig "verlieren"), es gab und wird immer rege Diskussionen darum geben. So wollen die einen lieber eine definierte Oberfläche und dem folgen, was da vorgegeben wird, die anderen ihrem Gusto entsprechend eine andere Darstellung. Und es gibt eine Menge wirklich guter Themes...

 

Mit Reaper 4 kommt nun ein System, mit dem das komplette Interface geändert werden kann. So können Elemente in Tracks, im Mixer, in Envelopspuren und im Transportbereich geändert oder woanders platziert werden usw. und auch diese wiederrum als eigene Templates definiert und aufgerufen werden. Als Beispiel: sollen im Mixer fürs Abhören nur die VU-Meter, Solo und Mute erscheinen - kein Problem. Entsprechendes Template definieren und die Platzierungen in der Konfiguration hinterlegen. 

 

Dieses neue System hat auch einen Namen: Window Arrangement Logic Template Engine for Reaper - kurz: WALTER. Heiß diskutiert im Forum. Wem dies zuviel Arbeit ist: es lassen sich fertige Themes herunterladen und direkt in Reaper ziehen - schon wird die Oberfläche geändert. 

Das "A" in der Kür

Echt cool ist die Idee mit dem "Pitch Envelope". Angewendet werden kann es an jedem Media Item (rechte Maustaste) und verbiegt, begradigt oder dreht Töne durch die Mangel. Es lässt sich damit eine Menge Spaß haben. Mit Mut zur Lücke entstehen hier interessante Effekte.

 

Wer es braucht: mit dem Multichannel Metering hat man nun auch das im Blick - in Verbindung mit dem ReaSurround Plugin kann (auch automatisiert) der Klang im Bild bewegt werden: Quad, octophonic, 5.1, 7.1, 9.1 und mehr ist möglich. Soundtrackbastler sollten das lieben.

 

Mit dem Batch Rendering (mit sogenannten "Wildcards") lassen sich entsprechende Batchbefehle abarbeiten (zBs. konvertierung von Tracks zu MP3 mit der automatischen Benamung nach Zeit Signatur, Track Nummer oder, oder...). Batch Konvertierung gibt es nicht in jeder DAW.

 

Die Project Bay ist eine weitere Neuerung, mit Hilfe dieses Fensters hat man alles im Blick: alle Media Items sind aufgeführt. Ob Audio oder MIDI, Effekte, Gruppen, Presets, Zuordnungen, Take Comps und lassen sich hier schnell erreichen.

 

Ach ja: Midi.

Es wurde immer gemäkelt... Die Bearbeitung von Midi-Daten wurde nun auch verbessert, es können definierte Skalen und Akkorde verwendet werden, editiert man da.

 

Als Tipp sei ein Teil der SWS Eextension (The Fingers Groove Tool) genannt: es hilft bei der Groove Quantisierung.

Schlussendlich...

Ob nun Einsteiger oder Fortgeschritten: bei dem Preis lohnt die Beschäftigung allemal. So ist die Testversion ohne Einschränkungen nutzbar, schnell heruntergeladen und installiert und einem ersten Versuch steht nichts im Wege. Ich bin nach wie vor begeistert und sehe keinen Grund zu wechseln. Zumal sich das Tool in einem rasanten Tempo weiterentwickelt, das Forum ein absolutes Plus darstellt und die Entwickler zuhören und mitmachen.

 

 

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...ein paar Songs

Floyd Groener

Vor einigen Jahren nach langer Pause - genauer: seit analogen 4-Spur-Zeiten - zwischen Bits und Bytes wieder aufgewacht.

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Bedroom Recording

Wenig Platz fürs Hobby, aber es ist irgendwie auch Zielsetzung.

>>>

Current Gear

 

Kemper Profiler

Tech 21 VT Bass Rack

Yamaha THR10 

Yamaha THR5A

 

Presonus RM 16ai

Presonus CS18ai

Presonus Studio One

 

Korg Kronos

Ibanez RG425

Fender TC JA-90 

Ibanez SR405 Bass

ESH Various Fretless

Gretsch Tim Amstrong Sign.

Line6 Variax 

 

 

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