Fender Telecaster Jim Adkins 90. Oder: hybride Fender.

Hatte ich mal geschrieben, ich kann mit Gitarrentypen nicht so viel anfangen? Ok, gelogen... Nachdem ich viel mit meiner Line6 Variax rumprobiert habe und mich so nach und nach in einige Sounds reingehört habe, kam dann doch der Wunsch nach "mehr". Fenders Telecaster fand ich immer ganz cool, nur fehlte mir die Fülle und Wärme im Klang. Durch die Variax kam ich dann langsam drauf... und fand den Les Paul-Sound auch ganz gut. Gibsons Abnehmer (P90. Die "Soapbar") kamen klanglich auch sehr nah... Alles ging also in Richtung einer interessanten Zusammenstellung...

Ein paar Fakten...

Beim stöbern habe ich dann die Fender TC Jim Adkins 90 gefunden, schon ein paar Jahre auf dem Markt, aber mit allen Attributen versehen, die mir so vorschwebten.

 

Nicht auf den ersten Blick zu erkennen, aber die Gitarre gehört zur Gattung der Telecaster, wenn es auch einige irritierende Details gibt. Im Gegensatz zur klassischen Variante gibt es einige Änderungen, schon bekannt durch Fenders Thinline TC-90. In dieser Version, von Fender zusammen mit Jim Adkins (von "Jimmy Eat World": nie bewusst gehört...) entworfen, gibt es wiederrum einige Änderunge gegenüber der TC90.

 

Der Korpus ist eigentlich klassisch Telecaster, die typischen Singlecoils wurden ersetzt durch optisch wie auch klanglich voluminösere Seymour Duncan P-90 Tonabnehmer, die Telecaster-Bridge wurde durch eine feste Adjusto-Matic Brücke ähnlich der einer Les Paul ersetzt. Das auffälligste Merkmal am Korpus dürfte aber das F-Loch sein. Dabei ist der Korpus nur im oberen Drittel ausgehöhlt worden, die anderen 2/3 entsprechen einem Solid-Body. Ein weiteres Merkmal: Die JA-90 hat, wie bei Fender ansonsten üblich, keinen verschraubten, sondern einen eingeleimten Hals.

 

Genug der Details... es findet sich dazu genug im Netz.

Direkt, knackig mit Bums

Die Gitarrennerds können wohl stundenlang das Für und Wieder diverser Details beklatschen oder verdammen, mir ist das - ehrlich gesagt - egal. Die Gitarre klingt einfach gut! Und sieht - in rot - einfach toll aus! So einfach kann es sein.

 

Die Gitarre ist recht leicht, wobei ich nicht glaube, dass es an der Ausparung liegt: das F-Loch mag eine "Semi-Akustik" suggerieren, es ist aber eher eine kleine Kammer. Nichtsdestotrotz: in Verbindung mit dem verleimten Hals und der Holzauswahl (Korpus: Semi-Akustik, Esche, Einzel-Cutaway; Hals: Mahagoni, in Korpusfarbe lackiert, modern C-Profil, geleimt mit Konturierung; Griffbrett: Palisander mit weißen Pearloid Dot-Einlagen, 22 Jumbo-Bünde) ergibt sich eine satter Klang mit viel Sustain, die von den Seymour Duncans (SP90-1NRWRP Vintage P-90 - Hals, SP90-3B Custom P-90 - Bridge) übertragen werden: direkt, knackig, mit ordentlich Bums.

 

Mag es alles nach einer Gitarre für den Blues klingen: der Sound ist vielfältig und bietet eine komplette Palette. Die Stärke sind aber in der Tat cleane Sounds, oder eben leicht angezerrte. Wobei auch das "volle Brett" gut kommt.

Bespielt...

Leicht ist sie. Der Hals ist recht schmal/ wenig tief, lässt sich also gut bespielen.

Was mich am Anfang etwas verwirrte, sind die "Jumbo-Bünde", dachte ich doch zuerst, die Klampfe wäre wenig stimmstabil. Man darf halt nicht zuviel Druck auf die Saiten geben - oder eben kontrolliert für ein wenig Vibrato. Mittlerweile habe ich mich gewöhnt.

 

Achso, stimmstabil und Verarbeitung: hm.

Verarbeitung und Einstellung

Auch wenn Fender draufsteht (Indonesien), so ist es nicht automatisch Gold, auch wenn der Name glänzt. Kurz: die Gitarre ist richtig schlecht voreingestellt. So waren die E- und A-Saite nicht sauber eingestellt (leer / 12. Bund lief ein paar Cent auseinander), auch stimmte der Abstand der hohen Saiten nicht - es schepperte schlicht. Die Höhe der Abnehmer ist sowieso persönlichen Präferenzen nach einzustellen, also habe ich auch da etwas gedreht, um den "Mulsch" rauszubekommen. Ich musste den Widerstand der Stimmmechaniken etwas erhöhen, da sie in der Tat etwas in der Stimmung nachgab. Mag aber auch an den Saiten an sich gelegen haben. 

Die vorgespannten Light-Gauge-Saiten (.009er) sind mir eigentlich sowieso zu leicht, beim nächsten Wechsel kommt ein .010-Satz drauf. 

 

Was die Verarbeitung angeht, ich habe schon schlimmeres gesehen - weiß aber auch nicht so genau, was bei 600€-Klampfen zu akzeptieren ist. Jedenfalls ist die Lackierung aus der Ferne schon was feines - die Holzmaserung ist zu sehen, Korpus, Hals und Kopfplatte sind in einem Guss lackiert: ein Schmuckstück. Beim anspielen fiel sie mir sofort ins Auge. Habe sie dann Online gekauft...

 

Schaut man nun genauer hin, so ist das F-Loch nicht "durchlackiert", nach innen ist das Holz nicht sauber geglättet (3 Minuten Sandpapierbehandlung fehlt...), dadurch ist der Lack nicht glatt, bzw. komplett. Eigentlich schade, weil auch so offentsichtlich zu beheben: leider aber ist dies ein Schritt vor dem Lack... Im Nachhinein ist das nun alles schon aufwändiger - wie kommt man an den Lack zum Ausbessern ran??  Ist das kleinlich und/ oder ein Grund die Gitarre zurückzuschicken?

 

Schön, oder: mein kleines Fazit

Kurz und gut: alles, was ich bei der Line6 Variax geschrieben habe, ist nicht mehr wahr... fast. Die Variax bietet viel Möglichkeiten rumzuprobieren. Und das hat mir geholfen, meine Vorstellung von einem Gitarrensound zu fokussieren - diese "unreine" Telecaster trifft es mit am Besten. Da ich in der Zwischenzeit auch mit Guitar Rig (5) meinen Verstärkerstack zusammen habe (2 x AC-30 Sim, auf zwei Kanäle aufgesplittet, mit unterschiedlichen Delayzeiten...), war es an der Zeit auch das Gefühl für /mit einem Instrument zu betrachten. Die Line6 ist eine rein technische Antwort, war immer viel zu "sachlich" und nur Mittel zum Zweck. Wenn die Variax auch interessant aussieht, die Telecaster JA 90 ist eine echte "Beauty" und fühlt sich gut an.

Eine Option fehlt mir noch...

Ein interessantes Detail an der Line6 Variax war immer, auch mal kurz eine Akustiksimulation zur Hand zu haben. Ich nehme gerne mehrere Spuren mit Gitarre auf, da ist der helle Klang einer Akustik - leicht untergemischt - immer ganz interessant. Dafür reichte dann auch die Simulation und ich brauchte nicht groß mit Mikrophonierung etc. rummachen.

Daher wäre die Möglichkeit, per Piezoabnehmer in der Brücke die Gitarre abzunehmen und einen "Quasiakustiksound" zur Verfügung zu haben, nicht übel. Das Ganze dann auch als reines Signal (per Stereoausgang) direkt auf eine weitere Spur, parallel zu den magnetischen Abnehmern... mal sehen. Pete Townshend hat's auch gemacht...

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