(M) eine neue DAW: Presonus Studio One 2.0

Ich bin "Nebenher-Musiker" und habe nicht immer allzuviel Zeit übrig, in meinem kleinen Studio diesem  Hobby zu frönen. Und so sehr ich in den letzten Jahren Reaper schätzen gelernt habe, so sehr nervt nun aber mehr und mehr dessen enorme Flexibilität, die damit einhergehende Komplexität und die "offenen Enden". Natürlich kann man Reaper anwerfen und direkt drauflosrecorden, aber... einen kurzen Mix herzustellen, hier und da EQing, Reverb, Compressor... da wird es dann aufwändiger und fordert tieferes Verständnis und Beschäftigung im Detail und eventuell weitere Tools. Irgendwie lässt einen Reaper hier alleine.  Studio One verspricht dagegen einen arbeitsorientierten Workflow, der dies wesentlich vereinfachen soll... mit smooth integrierten Tools. Und in der Tat...

Der Preis der "allumfassenden" Pro Version ist zwar auf den ersten Blick deutlich höher als Reaper (ca. 390€ zu 60€), bietet aber eine sauber integrierte Grundausstattung mit Effekten, Melodyne Essential und einer "Mastering Suite" für die komplette Produktion. Und vielen sinnvollen und direkt nutzbaren Presets und FX-Chains. Und das Ganze ist per "Drag & Drop" mal eben zusammengeklickt. Das geht in weiten Teilen zwar auch easy in Reaper, ist hier aber noch konsequenter in den Workflow integriert.

 

Die Plugins sind - so die Aussage in vielen Tests - hochwertig, sauber integriert und vollständig. Für mich sind sie vollkommen ausreichend. Damit relativiert sich der Preis gerade für Neueinsteiger deutlich, muss doch nicht mehr viel Geld für weitere VSTs ausgegeben werden.

Was ich seinerzeit als wirkliches "Add-On" von Reaper hervorgehoben hatte, scheint in ähnlichem Maße auch bei Presonus zu gelten: die Entwickler hören auf die Nutzer und reagieren prompt. Es gibt im Forum eine recht umtriebige Community, und die Entwickler hören zu. Cool!

Die Entscheidung für eine DAW ist subjektiv, aber...

Vergleicht man mit Reaper, so ist für das "schnell-mal-zusammengemixt" diese Integration für mich ein wirkliches Plus: so sind die Plugins aus einem Guss, in einem Popup sichtbar angeordnet und bieten überdies im Mixer und "Side-Inspector" eine Miniansicht, in der wichtige Parameter direkt einsehbar und editierbar sind. Jetzt, wo ich das habe, weiß ich, was mir in Reaper fehlte...

 

Side-Inspector

Im Inspector lässt sich track- oder eventbezogen fast alles Relevante direkt manipulieren, ein Feature welches in Reaper komplett fehlt und nur durch Menüstrukturen oder rechte Mausklicks erreichbar ist. Hat Reaper durch WALTER eine in weiten Teilen enorm anpassbare Oberfläche, so sind die Layouts in Studio One fixiert und lassen nur Größenveränderungen (und Ausblenden von Teilen) zu. Dies folgt aber einem klaren Konzept und passt sauber in den Workflow. Mag sein, dass es nicht den eigenen Workflow trifft, ich kann aber hervorragend damit arbeiten - ich bin froh, dass mir eine klare Struktur vorgegeben wird: so kann ich mich wirklich auf die Musik konzentrieren.

 

Browser

Und wenn wir schon dabei sind: der Browser an der rechten Seite ist mal richtig sinnvoll. Instrumente, Effekte, Sounds, Dateien, Pool - alles im direkten Zugriff, flach oder in Ordnern oder nach Herstellern sortiert und per Drag & Drop angewendet! Übrigens lassen sich hier auch mal schnell eigene Presets oder Audiodateien ablegen: einfach aus dem Song rausziehen und fertig. Auf diese Weise kann dann auch ganz schnell ein Preset oder Loop o.ä. in einem anderen Song wiederverwendet werden - einfach in den Ordner navigieren und rausziehen. Einfach super. 

 

Folder... Folder? Verwirrspiel.

Hmm... Neben der Möglichkeit, Spuren auf eigene Busse zu routen ist es auch möglich, diese in Foldern zusammenzufassen. Aber leider nur in der Spurenansicht, nicht im Mixer. Ich fand es immer ganz angenehm bei Reaper, diese Folder mal eben zusammenzuklicken und auch im Mixer dann auszublenden, bzw. nur den Folder einzublenden - und diese wahlweise als Folder oder Bus zu nutzen. Dies geht bei Studio One leider nicht, hier muss ein Bus ran... wobei: ist letztlich auch nur eine andere "Art" zu organisieren. Zusätzlich gibt es auch noch die Möglichkeit, Spuren in Gruppen zusammenzufassen - und in einem Rutsch zu editieren.

 

 

Studio One ist von zwei ehemaligen Cubaseentwicklern erdacht worden: mag sein, dass Cubase ähnliches bietet. Ich habe mich vor vielen Jahren mal mit Cubase befasst, bin aber nie warm damit geworden. Die Lernkurve war mir zu groß. 

Warum gerade Studio One?

Damals bin ich über Tracktion irgendwann dann bei Reaper gelandet, welches klar seine Vorteile gerade in der Flexibilität hat. Aber in der Tat ist die Lernkurve auch nicht ohne: es ist zwar recht einfach, mit Reaper zu beginnen. Der Aufwand entsteht aber danach - Stück für Stück entdeckt man weitere Möglichkeiten - und leider wird man da als Musiker dann nicht mehr abgeholt. Es ist mal ganz nett, zu experimentieren, aber den einen oder anderen Handzeig wünsche ich mir schon (zBs. in Form brauchbarer Presets). Man kann eine Menge im Reaper Forum lernen, aber das hilft nicht, hat man gerade die Gitarre in der Hand...

 

"Instant Mastering"

Mir ist nun langsam aufgegangen, dass ich eigentlich nur Musik machen möchte und nie ein "Engineer" werde. Ich möchte möglichst schnell einen brauchbaren Mix/ Song zusammenhaben. Das scheint mir bei Studio One einfacher zu gelingen - zumal Songs in Projekten zusammengefasst direkt in einen Masteringprozess mit entsprechenden Tools geschoben werden können. Es ist, auch aufgrund angebotener FX-Chains / Presets - und dem Workflow - deutlich intuitiver, ich mache Musik und verliere mich nicht im Rumfummeln an Parametern. 

 

Apropo... Sehr gut ausgestattet ist Studio One mit  Metering-Tools, die neben einem Stimmgerät mit Spectrum Analyzer, Goniometer und Korrelationsgradmesser daherkommt. Alle Plug-ins arbeiten ebenfalls mit einer Auflösung von 64 Bit, was vor allem den Dynamics und EQs zu Gute kommt.

Viele Möglichkeiten sind nicht immer der Weisheit letzter Schluss

Gerade für Mix und Mastering - welches ich einfach durchführen möchte, nicht studieren - hätte ich bei Reaper weitere Plugins gebraucht; und eine tiefere Auseinandersetzung mit Tools und Optionen, da Reaper zwar enorm flexible Möglichkeiten bietet, aber ab diesem Punkt keine Lösungen mehr.

 

Vielleicht reicht mein Verständnis nicht, oder ich bin zu faul - aber Reaper bietet mir zu wenig "Führung". Weitere Plugins zu erwerben, hmm... damit ist - wie oben erwähnt - der höhere Preis von Stduio One weiter relativiert. Übrigens war die Suche nach einem einfachen aber schnell anwendbaren Masteringtool der Grund, warum ich mir mal eine andere DAW angeschaut hatte. Nun habe ich sie anstatt, da dann preislich interessant.

Beigaben...

Neben den sinnvollen Effekten bietet Studio One in der Professional-Version noch Instrumente und Contents. Wie erwähnt ist Melodyne Essential dabei, welches die grundlegenden Bearbeitungsfunktionen (Pitch und Timing) bietet. Bis jetzt habe ich mich damit noch nicht näher befasst, aber ich glaube auch, dass ich nicht wirklich mehr brauche / will. Wer die "große" Lizenz hat, kann diese aber auch nutzen. Jedenfalls scheint die Integration deutlich besser/ schneller als in anderen DAWs zu sein, da hier eine neue Schnittstelle entwickelt wurde, die über reines Einbinden von VSTs hinausgeht.

Mastering

Masteringtools stehen nicht alleine nur als Effekte zur Verfügung, sondern es gibt eine wirklich saubere "Umgebung" - sogenannte "Projekte" - die einen entsprechenden Workflow anbieten, in dem ganze CDs zusammengestellt und bearbeitet werden können, mit allen Einstellungen und Metadaten und Pipapo. Endlich! Ich muss mir jetzt nicht mehr soviele Gedanken machen, sondern einfach anfangen...

Instrumente

Tja. Respektlos gesagt, es gibt einen Satz Instrumente, um direkt zu beginnen... Reißt, glaube ich, keinen vom Hocker, aber das ist nicht schlimm. In der Regel hat man ja eh schon so seine Instrumente, wenn nicht, so ist hier ein Angebot gemacht. Zum einen ein "Sample-Trigger-Instrument" (Ni-Maschine-Light...), ein Synthi und zwei Sampleplayer -  dies bringt uns zum...

 

Content

Es gibt einige GB and Wavs, Loops, Soundsets, die direkt in die Player geladen werden können. Ich habe noch nicht reingehört, aber es ist alles da... da gibt es noch viel zu entdecken. 

 

 

 


 Interessant ist sicher, dass in der Proversion sogenannte "Impulse Responses Soundsets" in den OpenAir Reverb geladen werden können, um berechnete Hallräume zur Verfügung zu stellen. Diese gibt es auch als Downloads auf diversen Seiten, um Räume und/ oder bekannte Reverbs zu emulieren.

 

Ach ja, NI Komplete Elements/ Player gibt es als weitere Draufgabe. Aber NI habe ich ja schon drauf... Aber immerhin - wer neu einsteigt, hat hier gleich ein brauchbares (Promo-) Paket dabei, welches immerhin auch fast 50€ kostet. Ich hätte gerne die Möglichkeit gehabt, darauf zu verzichten und das Geld gespart, aber was soll's...

 

Kleiner Nachtrag noch: mit der Zeit hat sich gezeigt, dass die Einbindung von Controllern (ich nutze zBs. Icons Qcon) nicht wirklich das Gelbe vom Ei ist. Hier muss Presonus noch deutlich aufholen. Es gibt zwar das Feature "Control link", mit dem der Hardware entsprechende Softwareknöppe zugewiesen werden können. Aber leider ist diese Einbindung dürftig und bezieht sich nicht auf alle Parameter, die ich gerne mit Hilfe von Hardware ändern möchte - und vor allem nicht auf jede Hardware. 

Es gibt eine Menge Diskussionen darüber im Forum, auch Antworten aus der Entwicklerecke (die die Schwäche ja durchaus eingestehen), vielleicht tut sich da noch was.

 

Hier war mein Icon mit Reaper besser... Es stört leider den Workflow, wenn dann doch öfters zu Tastatur oder Maus gegriffen werden muss.

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Kommentare: 2
  • #1

    Michael (Mittwoch, 18 Januar 2012 23:23)

    Vielen Dank für den umfassenden Vergleich.

  • #2

    Floyd Groener (Donnerstag, 19 Januar 2012 08:47)

    Hallo Michael,
    das freut mich zu hören. Ich habe gerade noch einen kleinen Nachtrag verfasst, da sich mir mit der Zeit gezeigt hat, dass die Einbindnung von Hardware-Controllern nur mäßig ist. Solltest Du etwas in der Richtung nutzen, dann probiere die Demoversion u/o schaue im Forum nach, wie stark die Einschränkung ist.

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