Gesangsaufnahme für Faule, oder: Schnauze voll vom Parameter-Dschungel

Der Fluch der Möglichkeiten. Nicht nur, dass Gesangsaufnahmen von allem möglichen beeinflusst werden (Raumakustik, Mikrophon, Preamp, Abstand und Winkel zum Mikro, eigene Verfassung etc.), NEIN, wenn es dann aufgenommen ist, dann bleibt auch noch die Qual der Wahl möglicher Einflussnahmen durch Effekte usw. Alles, was den spontanen Spaß und die Begeisterung an der eigenen Sache absolut tiefgefrieren kann. Ich hasse das eigentlich: ist der Kompressor (setze ein: EQ, Hall, Delay, De-Esser, Delay, Chorus...) wirklich gut dafür oder muss noch was neues ausprobiert werden? Stimmt die Einstellung, der Parameter X, Y, Z² ? Ich verstehe nach wie vor die meisten nicht und arbeite schlicht nach Gehör. Was häufig dann in stundenlanges Gefummel mit der Maus endet. Jetzt habe ich das TC-Helicon VoiceTone Correct vor dem Mixer - eigentlich für Live gedacht, habe ich es im Heimstudio...

Das Helicon ist eigentlich ein Bodentreter für den Livemusiker, was schon durch die überzeugend stabile Bausweise und den typischen Druckschaltern offentsichtlich wird. Gedacht für denjenigen, der sich keine oder keine gute PA leisten kann / will und womöglich auch ohne eigenen Mann hinterm Mixer auskommen muss.

 

Das Teil bietet Übersichtliches:  für Gesang optimiert, Preamp (optional 48 Volt), EQ, Kompressor, De-Esser und eine Tonhöhenkorrektur (mit Anzeige). Ohne viel Firlefanz, nur jeweils einen Regler für die genannten Funktionen und fertig.

Magic. Algorithm.

Wie jetzt? Das Geheimis steckt hinter zwei weiteren Knöpfen ("Adaptive"), die den EQ (eher ein Enhancer) und den Kompressor automatisiert steuern. Das ist quasi der "Lernmodus" des Gerätes, wenn aktiviert, dann steuert es den Gesang automatisch aus, so dass (denke im Abgleich mit hinterlegten Algorithmen, Helicon hat da sicher viel Erfahrung) nach einigen Sekunden der Gesang mit EQ und Kompressor optimiert wird, so viel wie nötig, um im Club eine saubere und durchsetzungsfähige Stimme hinzubekommen.

 

Ist dies geschehen, dann kann der Anteil des EQs "Shape" entsprechend nachreguliert werden (mehr oder weniger "Luft im Klang" oder auf Studioneudeutsch "Air"), oder eben auch der Kompressor. Zusätzlich ist ein De-Esser an Bord der, entsprechend dosiert, genau dies macht: er filtert sauber die Zischlaute raus.

 

Schon dass alleine macht Eindruck: der Gesang gewinnt in meinem Fall auch bei der direkten Aufnahme in die DAW deutlich. Jedenfalls kommt es meiner faulen Natur entgegen, da ich nicht wirklich Lust habe, hinterher stundenlang per Hand und / oder Automation den Gesang sauber zu bügeln.

 

Pitch it.

Ob nun ein Gimick oder wirklich hilfreich, muss jeder für sich entscheiden. Zumal im Heimstudio nicht zwangsläufig nötig: die Pitch-Correction. Übertreibt man es, dann kommen ein paar nette Effekte raus (Sher hat das mal mit Autotune und "I believe" vorgemacht), dosiert verwendet hilft es schon.

 

Live macht es sicher mehr Sinn, gerade auch in extremen Situation wie Müdigkeit, schlechte Raumakustik etc., wo die Stimme schon mal rumeiern mag.

 

Im Heimstudio kann es ganz gut unterstützen, sollte aber wirklich vorsichtig genutzt werden, da teilweise der Pitchshift hörbar ist. Da macht Melodyne saubere Arbeit, wobei auch hier wieder gilt: es ist zeitaufwändig und bedeutet Mausgeschubse. Jedenfalls empfiehlt sich im Studio sowieso die Aufnahme mehrerer Takes, so dass hier Fehler  korrigiert werden können - Stichwort "Comping" - und ein Live-Pitch-Shift nicht wirklich nötig scheint. Aber ich lasse es meist ganz leicht mitlaufen, zumal es trainiert, da eine optische Rückmeldung über eine tonale Schieflage informiert.

So als Fazit.

Es mag meiner faulen Natur geschuldet sein, aber die adaptive EQ- und Kompressorregelung hilft. Es ist eine brauchbare "1-Knopf-Lösung", die ich immer gesucht habe.  Die Stimme wird nuanciert, bekommt "Luft" und sitzt im Mix wesentlich sauberer. Natürlich kann man das auch im Mix hinterher machen, aber es nimmt mir diesen (nervigen) Teil der Arbeit ab. Ausserdem habe ich bis jetzt nie diesen Anteil "Kratzigkeit" mit Hilfe von Plugins in meine Stimme bekommen.

Da werden sicher auch die klanglichen Eigenheiten von Mikros entsprechend verstärkt, eventuell muss man hier mal rumprobieren und die richtige Kombination für die eigenen Stimme finden, wenn's denn wichtig erscheint.

 

Natürlich zaubert das Teil keinen perfekten Sänger vor das Mikro, ein bißchen muss man schon selber dazu beitragen... Und man muss damit leben, dass man ein vorprozessierten Sound aufnimmt, der sich hinterher nicht mehr ändern lässt, wobei: das Gerät besitzt zwei Ausgänge. Wer will, kann auch den Originalsound mit aufnehmen.

 

Live ist es sicher auch die Tonhöhenkorrektur ein wertvoller Helfer, sie ist effektiv, wenn man es nicht übertreibt. Im Heimstudiobereich ist diese eine hilfreiche Unterstützung, um Gesang  zu üben: so sieht man eine tonale Schieflage und "merkt" auch die Korrektur beim Singen. Das hilft wirklich!

 

Nennen wir es Schminke für die Stimme.

 

Kurz: wie auch handelsübliche Kosmetik, man macht aus keinem Kermit eine Marilyn Monroe, aber auch Kermit mag mit der richtigen Schminke besser wirken. So auch hier: das Teil poliert die Stimme und bietet die "Ein-Knopf-Lösung" für Enhancer, Kompressor und Tonhöhenkorrektur.

 

Übrigens: der Preamp scheint recht rauscharm und macht seinen Job gut, somit muss ich mich nicht ärgern, meine Mackie-Preamps auf Leerlauf zu schalten. 

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Kommentare: 1
  • #1

    melli (Sonntag, 14 August 2016 09:47)

    Guter Beitrag und top von dir. Hole mir aber voice live. Danke. Glg melli

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