Yamaha THR10 - Übungsverstärker, Audioschnittstelle, Vielseitigkeitsmeister!

Brotdose? 50er Jahre Röhrenradio? Nope: ein Übungsverstärker. Und was für einer! Das Gehäuse besteht aus Stahlblech und wurde in einem Beigeton lackiert, was dem Teil  mit den ausgefrästen Speaker-Öffnungen gut steht. Konzipiert wurde der THR10 laut Yamaha für die Zeit vor und nach dem Gig - und ist damit überqualifiziert, denn man kann diese kleine Kiste auch bestens für das Recording einsetzen - es bietet einen nahezu perfekten Klang. Sogar unterwegs, denn Batteriebetrieb ist auch gegeben. Und das Ding klingt richtig, richtig gut: satter Sound in Zimmerlautstärke - mit direktem USB-Anschluss.

Amp in the box

Ich besitze keinen Verstärker, da ich alles virtuell auf dem Rechner betreibe. Aber irgendwie ist der Klang nie so richtig warm und voll, ausserdem nerven die Latenzen enorm. Der Rechenknecht arbeitet ebensowenig wie die ganze Signalführung eben nicht ohne Verlust - in diesem Falle höhrbarer Verlust an Zeit. Und das finde ich wahnsinnig nervig: gerade wenn parallel schon ein paar Spuren mit VSTs (Drums, Keys, etc.) laufen, dann reißt Guitar Rig (u.a.) schon richtig am Prozessor, braucht seine Zeit und mich aus dem Takt. 

Meine Alternative: Yamahas Box

In der Tat ist Yamaha für alles mögliche bekannt, aber weniger für Amps. Nun haben sich die Musiker dort mit ihren Hifi-Spezialisten zusammengetan um einen Verstärker zu bauen, der schon bei Zimmerlautstärke richtige Gitarrensounds liefert.

 

Der Lieferumfang des 3 kg leichten THR10 ist ok. So findet sich im Karton des Amps neben einem Netzteil auch ein USB- sowie ein AUX Stereo-Kabel im Miniklinkenformat. Weiterhin findet sich auch eine Version von Steinbergs Sequencer Cubase in einer Lite-Version.

Es existiert auch ein Editor, der sich aber nicht im Lieferumfang befindet, aber von der Yamaha-Website kostenlos runtergeladen werden kann und sowohl Mac OS X als auch PCs mit Windows-Betriebssystem unterstützt. Mit ihm gestaltet sich das Editieren der Sounds ganz bequem und grafisch unterstützt vom Computer aus - zusätzlich auch weitere Einstellungen für den Kompressor und weitere Reverb- und Hallalternativen.

 

Anschlüsse

Die Rückseite ist spärlich ausgestattet: ein Anschluss für das Netzteil, ein USB-Port. Anschlüsse für Fußschalter oder einen Effektweg gibt es nicht. Dafür stehen auf der Oberseite ein Kopfhörerausgang im 6,3 mm Klinkenformat sowie ein AUX-In (Zuspieler wie iPod etc.) im 3,4 mm-Format zur Verfügung. Die AUX- sowie USB-Signale können zudem mittels eines eigenen Lautstärke-Potis geregelt werden. Und natürlich gibt es den Klinkeneingang zum Anschluss des Instrumentes. Dieser sitzt rechts auf der Oberseite, besteht aus Metall und ist mit dem Gehäuse verschraubt, also: Stabil ist es.

Stabilität

Überhaupt gibt der Verstärker im Hinblick auf die Verarbeitung Vertrauen. Alles wirkt robust, ist hochwertig verarbeitet und wie aus einem Guss. Das betrifft insbesondere die weich laufenden Potis, welche nicht etwa auf die Hauptplatine, sondern wie auch die Klinken-Inputbuchse mit dem Stahlblechgehäuse verschraubt wurden und somit länger halten werden.

Effekte

Eine wirkliche Perle sind die Effekte. Yamaha spendiert dem Amp alle notwendigen Effektsounds wie Chorus, Flanger, Phaser, Tremolo, Delay und sogar zwei verschiedene Hallparameter (Spring und Hall). Diese werden ebenfalls über zwei Potis (einmal Effekt, einmal Delay und Reverb jeweils pur bis hin als Mischung) dem Grundsound beigemischt und klingen  unglaublich breit und räumlich. Die Effekte basieren auf den Algorithmen, die auch in den "guten" Yamaha-Mischpulten verwendet werden. Sie klingen hochwertig.

Trotzallem habe ich sie mit Hilfe des optionalen Editors (kann man auf der Yamaha Webseite herunterladen) etwas zurückgeschraubt. Durch die kleinen Regelwege der Potis ist nicht viel Spielraum, um die Effekte subtiler einzusetzen.

 

Ein kleiner Taster unweit des Power-Switches übernimmt mehrere Funktionen. Mit ihm lassen sich zum einen die Verzögerungsdauer des Delays ("Tap-Delay") sowie der integrierte Tuner aktivieren. Den Stimmvorgang beobachten geht mit Hilfe eines kleinen Displays, welches auch - in einem anderen Modus - die ausgewählte Nummer des Speicherplatzes anzeigt. Die dritte Funktion des Schalters betrifft die Signalführung der Endstufe, denn durch ein Drücken des Schalters aktiviert dieser die "Extended Stereo"-Funktion und sorgt damit für ein breiteres und somit noch räumlicheres Stereo-Klangbild.

Retro ist das neue Vorwärts.

Zwei 8"-Speaker sorgen für den nötigen Sound, beleuchtet wird die Front des Amps von zwei orangefarbenen LEDs, sollen wohl einen Röhrenamp suggerieren. Tatsächlich handelt es sich aber um einen DSP-gesteuerten Stereo-Verstärker mit Transistorendstufe - als Bonbon auch im Batteriebetrieb. Das orange Leuchten ist aber trotzdem cool. Man muss es ja nicht jedem erzählen, dass es ein Fake ist...

 

Auf der Oberseite finden sich alle notwendigen Regler und Schalter für die Soundauswahl. Wie bei  virtueller Klangerzeugung üblich, dient ein Poti zur Auswahl des Grundsounds. Als besonderer Clou (gerade für mich als Basser): neben Presets für die E-Gitarre gibt es auch eine Voreinstellungen für Bass und akustische Gitarren, zusätzlich dient ein Preset mit dem Namen FLAT zur Verstärkung von Keyboards oder Vocals.

 

Bearbeitet wird der Sound mittels einer Dreiband-Klangregelung und einem GAIN-Poti, fünf Speicherplätze dienen zur Sicherung der erstellten Sounds. Hierfür stehen ebenso fünf kleine Drucktaster zur Verfügung, welche nach etwa zweisekündigem Betätigen den gewünschten Klang im Amp abspeichern.

Angespielt

Hups! Den Klang habe ich nicht erwartet.


Das kleine Kästchen (und es ist wirklich klein und süß) liefert einen Sound, der "Virtuell-Analog" neu definiert... und das ohne Latenzen. Die Grundsounds klingen alle dynamisch und lassen fast echtes Röhrenamp-Feeling aufkommen - für mich wesentlich besser als alle simulierten Sounds im Rechner. Bestechend gut gelungen sind insbesondere die Highgain-Sounds, die keineswegs zum Matschen neigen, sondern einen sehr sauberen Sound liefern. Das Zusammenspiel zwischen dem Gain- und dem Master-Regler eröffnet eine breite Soundvielfalt: einfach den Master-Regler voll aufdrehen - und damit die "virtuelle Endstufe" in die Sättigung fahren - das Signal in der Lautstärke aber problemlos mit dem GUITAR-Poti auf annehmbare Wohnzimmer-Lautstärke runterregeln!

 

Toll klingt die Effektsektion, welche durch die Stereo-Signalführung dem Klangbild eine breite und wirklich räumliche Note verpasst. Wie gesagt, mit Hilfe des Editors können diese je nach Belieben auf den persönlichen Geschmack angepasst werden - was für einige der Effekte auch nötig ist, da sie sehr stark reinknallen.

 

Und auch die Lautstärke ist, trotz der nur 8" großen Speaker, erstaunlich. Nicht hoch genug für Proberaum oder Bühne, aber dafür wurde dieses kleine "Soundbiest" ja auch nicht entwickelt. Für Sessions oder dem Üben kann ich mir kaum was besseres vorstellen.

Da aber die Phonebuchse auch einen Lineout darstellt, ebenso eine Mikrophoneabnahme möglich ist, ließe sich der Kleine auch auf der Bühne nutzen. Nur fehlt hier eine mögliche Steuerung über Fußtaster...

 

Durchgespielt. Und erweitert.

Erweiterungen:
Der THR 5a ist nun für die Akustiksounds zuständig. Unter anderem auch, weil ich begeistert und überzeugt vom Konzept und dessen Umsetzung bin. So fand dann auch noch der THR 10C Eingang in meine Werzeugsammlung. Bluesig.

Hatte nun schon einige nette Abende mit dem Teil und habe mittlerweile meinen "Verstärkerstack" um zwei weitere THRs erweitert.

 

Habe an meiner Telecaster und der Gretsch jeweils eine Fishman-Piezobrücke und damit einen "Stereoout": das Pickup-Signal geht in den THR 10, das Piezosignal ("Akustik") in den THR 5a. Ich mische die beiden Sounds im Mixer direkt so zusammen, wie es mir gefällt und nehme dies so auf. 

 

Aufnahmen mach ich nach wie vor direkt aus der Phonebuchse, also analog, auch wenn der Nebengeräuschlevel durchaus vorhanden ist - manchmal nervig, weil auch unterschiedlich. So gibt es häufig hochfrequente Einstreuungen, die sich mir nicht immer erschließen... Sie lassen sich meist dadurch in den Griff bekommen, dass ich das Teil im reinen Batteriebetrieb fahre. Trafobetrieb ist für Aufnahmen - aus der Phonebuchse - nicht machbar.

 

Wie gesagt, der Klang ist ohne Fehl und Tadel und flexibel einsetzbar. Es ist durchaus noch einiges mittels des Editors zu machen, so lässt sich der Klang noch feintunen und weitere Effekte anschalten. Für mich ist es das ideale Tool für alle Gitarrenparts.

 

Effekte sind perfekt, nur lassen sich manchmal am Gerät selber nicht so fein einstellen - wenn es sein muss, dann im Editor nochmal nachfahren. Jedenfalls nehme ich nun die Gitarrenparts direkt auf, und spare mir eine Menge Gefummel in der DAW.

 

Bass

 

Der THR 10 bietet auch eine Einstellung für Bass. Und Flat. Beide lassen sich für Bassaufnahmen nutzen. In der Tat mache ich alle Bassaufnahmen damit... Vom Prinzip her Stereo, ist der Sound voll und brachial, wenn man will, lässt sich sehr schön mit Compressor und Chorus andicken. Ohne viel Gedrösel. Passt meistens sofort und braucht nicht viel Nachbearbeitung in der DAW. Und ist Phasensauber!

 

Die Widergabe meines Ibanez im Basskanal ist voll und klar, EQ sowie Gain, Volume und Effekte lassen sich hier ausreichend fein dosiert einstellen und decken fast alles ab. Der Sound wirkt wie gesagt "saftig" und voll, die Mitten kommen  leicht knochig, wobei der Bass sowieso ein weites Klangsprektrum bietet - aktive Elektronik mit allem Pipapo. Aber genau hier gefällt es mir, die Mitten sind - auch bei meinem Fretless - ausgewogen und lassen sich im Mix "überall" positionieren.


Das zweite bassrelevante Modelling ist "Flat" - also linear. Das ist auch reizvoll, klingt etwas fülliger in den Tiefmitten und ist damit perfekt für meinen Fretless mit aktivem EMG PJ-X Set.

 

Fazit...

In Zusammenarbeit mit der HiFi-Abteilung ist es Yamaha gelungen, einen Verstärker zu entwickeln, der - für mich - kaum einen Wunsch übrig lässt. Interessantes Konzept: so scheint das Teil für die Zeit vor und / oder nach dem Gig konzipiert zu sein - aber auch oder vielleicht gerade - für das Heimstudio.

 

Auch wenn die meisten Tester diesen Punkt nur nebenbei erwähnen: er ist für mich das fette Plus.

So kann ich nicht nur verschiedenste Grundsounds und Effekte latenzfrei nutzen, nein, ich kann auch im heimischen Wohnzimmer tatsächlich in annehmbarer Lautstärke den vollen Sound hören. Für die heimische Session geht soweit auch alles: Gitarre, Bass, eventuell Keyboard. Das ganze direkt per USB (24Bit, 41kHz) in die DAW - oder per Lineout (Phonebuchse) in die Audioschnittstelle: perfekt!

Ach ja, das kleine Teil kann auch den Sound der DAW über den USB out übertragen - wie auch andere Zuspieler zum jammen - und das ganze mit einem sauberen Sound. So lässt sich auch einfach das ganze Teil als Audioschnittstelle samt Monitor nutzen...

Und durch den Batteriebetrieb  ist das auch alles noch transportable - mit Notebook eine bewegliche Lösung. Alles ist sehr hochwertig verarbeitet (Metall und verschraubte Potis...) und bietet in seinem Lieferumfang auch zusätzlich die Sequencer-Software Cubase, wenn es denn gebraucht wird.

 

Also kurz: viele (röhrenwarme) Grundsounds, viele Möglichkeiten, handlich und augenschmeichlerisch. Und anschlussfreudig. 

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Yamaha THR5A

 

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Presonus CS18ai

Presonus Studio One

 

Korg Kronos

Ibanez RG425

Fender TC JA-90 

Ibanez SR405 Bass

ESH Various Fretless

Gretsch Tim Amstrong Sign.

Line6 Variax 

 

 

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