Sure SM7B - raus aus der Geheimtippecke, rein ins Studio

In Amerika gang und gäbe, war das Sure SM7B bis jetzt hierzulande weniger bekannt, sicher auch durch den bis vor kurzem relativ hohen Preis. Ach ja, es ist gefühlt auch eher im Radiobereich zu Hause... und dann ist es auch noch ein dynamisches Mikrofon! In Homerecorderkreisen stellt das mehr oder weniger einen Makel dar, gilt doch ein Kondensatormikrofon mit Großmembran als edel und als Tipp schlechthin.

Es gibt aber gute Gründe, sich für ein dynamisches Mikrofon zu entscheiden: weniger Raumanteil, "weichere" Aufnahmen, weniger "Sssssss"ibilanten, grundsätzlich weniger anfällig, preiswerter. Wobei preiswert sich etwas relativiert, da meist gute und kräftige Preamps benötigt werden, sind die Mics doch meist leiser. All dies gilt für das Sure SM7B im besonderen. Aber: Michael Jackson, Bono, die Red Hot Chilli Peppers und Metallica habens auch oft benutzt...Und ich jetzt auch.

Gegen den Kondensator-Hype

Den Hype um Kondensatormikrofone habe ich nie ganz verstanden, ausser dass hier die Industrie wohl sehr erfolgreich die Marketingmaschine benutzt hat. So gelten diese als sehr saubere Aufnahmegerätschaften, die natürlich auch erst gut sind, wenn teuer. Auf der anderen Seite sind viele Hersteller von Audiointerfaces dadurch nicht zwingend dazu verdammt, hochwertige (laute und rauscharme) Preamps zu verbauen. Ein Schelm, wer hier böses denkt...

 

Natürlich habe ich in meiner Sammlung auch  ein Großmembrankondensatormikro - neben dem bis jetzt bevorzugt benutzten EV Blue Cardinal - wenn auch nicht High-End und entsprechend kleinerem Preis (T.Bone SC1100 Großmembran Mikro). Leider haben preiswertere Großmembraner (wie das genannte) eine ausgeprägte Neigung, den Bereich um die 4-6 kHz besonders anzuheben - und zwar immer. Dieser erste “Wow!” - Effekt kann später in der Mischung sehr nervig werden und lässt sich auch nur schwer EQen. Jedenfalls bei Gesangsaufnahmen.


In der Tat nimmt ein Kondensatormikrofon mehr Details in den Höhen auf (bis hin zu "harschem" Gezischel) und das dynamische Pendant klingt vergleichsweise dumpf, heißt es. Dabei sind doch gerade beim Gesang womöglich andere Klanganteile ausschlaggebend, es lässt sich hier gut mit EQ und Enhancern gegensteuern ohne das es verbogen klingt. Dazu unten mehr...

 

Natürlich ist die Instrumentenaufnahme eine andere Sache, aber das ist nicht mein Ding, mir geht es nur um den Gesang.

Sure...

Das SM7B ist ein dynamisches Mikrofon mit einer normalgroßen Membran mit  Nierencharakteristik und eignet sich bestens für die Aufnahme von Sprache, Gesang und auch Instrumenten. Sure selber findet, es ist es vor allem für die Arbeit im Bereich Voice-Over und Broadcast prädestiniert - was in Amiland dann auch häufig damit gemacht wird.

 

Auffällig ist hier die dafür gebaute Halterung und das entsprechend optimierte Design - vorgesehen ist die Montage an einem Galgen, also von oben hängend. Es bietet einen integrierten Poppschutz sowie eine Aufhängung gegen Körperschall. Und ist relativ groß, bzw. massiv.

Auf der Rückseite können über zwei Schalter eine Tiefenabsenkung sowie eine Anhebung der hohen Mitten/Höhen im Präsenzbereich eingestellt werden. Soviel zum Thema Präsenz und Höhen beim Großmembrankondensator und dem vermeintlichen dumpfen Klang eines dynamischen... Hier hat man sogar die Wahl!

 

Während der eingebaute Tiefpassfilter bei etwa 400 Hz ansetzt und für um die -3 dB Absenkung bei 200 Hz sorgt (also nicht unbedingt ein steilbandiger Trittschallschlucker für die ganz tiefen Klopfer unterhalb der 80-100Hz - das sollte also der Mixer/Preamp mitbringen), ist ein schaltbarer Präsenzanheber ein selten gesehenes Feature bei Mikrofonen. Die Anhebung findet in einem Frequenzbereich etwa zwischen 2 kHz und 4 kHz statt. Sie sorgt dafür, dass die Stimme etwas näher rückt und prominenter klingt. Cool ist die simple Darstellung der Einstellungen an den beiden Filtern. Mit einem Kuli o.ä. können die kleinen Schalter verschoben werden und schieben ein Blech mit, welches dann die Kurve anders darstellt. Es gibt auch ein Kappe, die den Zugang "versperrt".

Gut für den computerisierten Homerecorder...

Was dieses Mikrofon neben seiner robusten Bauweise und seinem Klang eigentlich als Sprechermikrofon prädestiniert, ist die gute Abschirmung gegen Geräusche (Raumklang), und jenen, die aus Breitbandstörungen von Bildschirmen oder elektrischen Geräten resultieren. Das ist doch genau das, was den Homerekorder mit schlechter Raumakustik, kleinem Raum und Computer (-monitoren) aufhorchen lässt.

Auch die interne Schwingungsdämpfung, die gegen die Übertragung von Körperschall helfen soll, ist nahezu perfekt. Selbst ein relativ festes Klopfen mit den Fingern (!) auf die Gehäusewand ist nur als leises Geräusch in einer Aufnahme zu hören. 

Mit einem Frequenzgang von 50 Hz bis 20 kHz angegeben (lt. Hersteller), bleibt das SM7B bis etwa 5 kHz relativ linear, dann kommen die Beulen. Aber die nackten Zahlen sagen da nix und sind mir eigentlich egal... Es klingt "weich" und "voll". Es gibt keine zu harten Ecken und Kanten. Im Höhenbereich findet sich eine Ausgeglichenheit, die hervorragend mit meinem verhalten färbendem SPL Channel One zusammenarbeit. So springen einen die Höhen nicht an, sind aber dennoch ausreichend schnell und präsent - und daher sehr gut mit dem EQ zu bearbeiten, bzw. mit dem SPL zu trimmen.

 

Ein Sprechermikrofon oder geht eben auch Gesang?

 

Das SM7B hat einen Frequenzgang, der perfekt für Stimmen geeignet ist und genau dort Frequenzbeulen aufweist, wo ich sie meist sowieso mit dem EQ schaffen würde – na sowas. Es ist nicht so knackig (oder detailreich) wie die meisten Kondensatormembrane, was aber ja sowieso nicht immer zielführend ist... und manchmal schwer zu zähmen. Der Sound bleibt gut und kraftvoll und tendiert eben dazu, warm zu wirken.

No Popp, no plopp

Ohne den Windschutz sieht man einen perforierten Metalkäfig vor der Mikrofonkapsel - der einem zum "richtigen" Abstand zwingt und - mit dem Windschutz - wie ein Poppschutz wirkt. Es ist fast unmöglich dieses Mikrofon zum Ploppen zu bringen. Habe ich endlich nicht immer den blöden Ploppschutz vor der Nase.

 

Durch die relative Unempfindlichkeit gegenüber Raumanteilen nutze ich zur Zeit auch den Micscreen nicht mehr - ein ganz neues Raumgefühl bei der Aufnahme. Und das Blatt mit dem Text ist nicht nur besser zu sehen, sondern zwingt mich auch nicht mehr, meinen Kopf zu drehen... So bleibe ich ohne Mühe sauber und gleichmäßig auf der "akustischen Achse" ausgerichtet. Eine Keinigkeit, aber in der Aufnahme auffällig.

Leise... also her mit 'nem guten Preamp!

Eine Übersicht zum Thema SM7B und geeignete Audiointerfaces findet sich bei recordinghacks.com.

Was beim direkten Anschluss an ein Audiointerface schnell klar wird (und worauf auch der Hersteller hinweist): es hat einen relativ niedrigen Ausgangspegel. Heißt schlicht: es ist leise! Also wird ein Vorverstärker mit entsprechenden Gain-Reserven benötigt, gut sind +60 dB und mehr. Viele Audiointerfaces werden leider nicht genügend Verstärkung für dieses Modell mitbringen, also unbedingt mal nachschauen! Da diese Angabe nicht immer so einfach zu finden ist (warum wohl bloß...?) findet sich rechts ein ganz interessanter Link dazu.

Auf der anderen Seite verträgt dieses dynamische Mikrofon enorme Schalldruckpegel (Lautstärken) und eignet sich damit hervorragend für Musikstile, in denen der Gesang eher einem Schreien ähnelt.

 

Nicht mein Anwendungsfall aber oft beschrieben ist eben auch der Fall, Instrumente damit aufzunehmen. Neben Gitarre und Bass gerade wohl auch die Kick Drum, deren Schalldruckpegel werden gut verarbeitet. Hihat und Becken sollen auch klingen, gerade auch der Sibilanten wegen. 

 

Fazit

Wie bei allem: es ist kein magisches Einhorn. Crap in - crap out, was reinkommt, muss schon stimmen - das Mikro zaubert nicht, sondern nimmt die Stimme auf. Es ist kein chirugisches Instrument und hat Charakter, der auch im Zusammenspiel mit einem eventuellen Vorverstärker betrachtet werden muss.

 

Es hat nebem dem Klang hervorragende Qualitäten, die gerade im Homerecordingbereich äusserst hilfreich sind. Es ist gutmütig, stabil, recht unempfindlich gegenüber Raumanteilen, Sibilianten und Einstreuungen und dank zweier Frequenzbearbeitungsoptionen (Tiefen absenken, Präsenz anheben) flexibel - vor allem im Vergleich zu Kondensatoren im selben Preissegment.

 

Wenn auch von Sure für Voice over und Broadcast definiert, es eignet sich super für Gesang und auch die Instrumentenabnahme (wenn auch von mir nicht dafür benutzt). 

 

In meinem kleinen Studio herrscht immer Platznot und die Raumakustik ist schwierig: da ist das SM7B ein wirklicher Helfer in der Not. Zur Zeit geht es ohne weiteren Ploppschutz und Micscreen - und das macht meine Gesangsaufnahmen deutlich entspannter. Und die Bearbeitung der Gesangsspuren.

 

Da der Preis mittlerweile gefallen ist (knapp unterhalb 400 Euro), können sich Einsteiger preiswert(er) mit einem wirklich hochwertigen Mikro ausrüsten - gerade auch als Alternative zu den gehypten Großmembrankondensatoren - wobei ein Preamp, der damit umgehen kann (hoher Gain) ein Muss ist! 

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Kommentare: 1
  • #1

    Kasha Felch (Mittwoch, 01 Februar 2017 19:36)


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